In getrennt geschlechtlichen Gruppen schaffen wir einen geschützten
Raum, in dem alle Themen behandelt werden können, die Jugendliche
beim Erwachsenwerden beschäftigen. Wir sehen unsere Aufgabe
darin, die Jugendlichen ein Stück des Weges ihrer Entwicklung
zu begleiten.
Wir legen sehr viel Wert darauf, den Jugendlichen ausreichend
Zeit und Raum zu lassen, sich in die gleich geschlechtlichen
Gruppen einzufinden. Die Erfahrung zeigt, dass Mädchen
und Jungen unterschiedliche Zeiten zur Gruppenfindung benötigen.
In dieser ersten Phase wird spielerisch und schülerzentriert
gearbeitet. Die Themen Identität, Umgang mit Grenzen und
das spezifische soziale Miteinander während der Pubertät
werden während verschiedener Aktivitäten situativ
angesprochen.
Die persönlichkeitsbildenden Prozesse wirken um so stärker,
je vertrauter die Jugendlichen mit den Lehrpersonen werden. Persönlichkeitsbildung ist als Querschnittsthema eine Säule der Projektarbeit.
Im weiteren Verlauf beginnen wir mit der zweiten Säule,
mit der Sexualaufklärung.
Es geht um die Anatomie und die Funktionen der Geschlechtsorgane,
um ihre Fortpflanzungsfunktionen und ihre Funktionen als Lustorgane.
Wir stellen dies mit dem Einsatz verschiedener kreativer Medien
so vor, dass die Jugendlichen zum Beispiel die verschiedenen
Ansatzpunkte von Verhütungsmitteln unterscheiden lernen,
dass sie einen angemessenen sprachlichen Umgang in Bezug auf
sexuelle Inhalte entwickeln und dass sie Sexualität als
Quelle von Lebensenergie achten.
Das Thema des Rechtes auf sexuelle Selbstbestimmung leitet über
zur dritten Säule der Projektarbeit. Die Prävention
sexualisierter Gewalt wird dann angesprochen, wenn die
Gruppe verhältnismäßig gefestigt ist und es
inzwischen selbstverständlich ist, dass persönliche
Inhalte der Projektarbeit während eines Pausengesprächs
nichts zu suchen haben.
Insgesamt gesehen werden
viele Spezialthemen in dieser Zeit angesprochen. Entweder geschieht
dies, weil die Jugendlichen danach fragen oder weil sich die
Themen aus dem Lerngeschehen ergeben. So achten wir darauf,
dass wir den Jugendlichen einen sensiblen Umgang mit den Themen
Normen, Werte, Moral und dem Thema sexuelle Orientierung nahe
bringen.
Einige Aktivitäten außerhalb der Schule sollen die
sozialen Prozesse in der Klasse positiv beeinflussen und den
Jugendlichen umfassendere Erfahrungen bieten. Die Besuche des
Erfahrungsfeldes in Essen (Kükelhaus-Museum) und des schwul-lesbischen
Jugendzentrums Anyway in Köln seien hier als Beispiele
genannt.
Das Projekt findet ein Halbjahr in Klasse 6 und ein Halbjahr in Klasse 8 statt.